Ankündigung DIE RÄUBER

Schiller wie bei Tarantino

AUSBLICK Christoph Bornmüller hat morgen mit seiner „Räuber“-Inszenierung Premiere in Darmstadt

DARMSTADT – (job). Erneut führt ein Schauspieler aus dem Ensemble Regie am Darmstädter Staatstheater: Christoph Bornmüller inszeniert Schillers „Räuber“, morgen ist Premiere in den Kammerspielen. Die Bühnenmusik von David Kirchner übernimmt eine besondere Rolle.

Christoph Bornmüller hat die „Räuber“ schon ein paar Mal gesehen. Aber er fand das Drama immer langweilig. Diese krause Dramaturgie! Diese abstrakten Einschübe! Diese unvermittelten Brüche! Der neunzehnjährige Friedrich Schiller hatte seinen Text gar nicht fürs Theater gedacht. So etwas auf der Bühne zu zeigen, müsste ja schiefgehen. Und doch hat für Bornmüller das Stück eine unverbrauchte Kraft. Die will er auf die Bühne bringen, und weil er eigentlich Schauspieler ist, geht er anders heran an die Sache als jene Regisseure, die das Inszenieren an der Hochschule gelernt haben. Sie beginnen eine Arbeit erst einmal konzeptionell.

Bornmüller aber geht vom spielerischen Potenzial des Textes aus, von den energetischen Impulsen, die er darin findet. Er hat es ja auch mit Figuren zu tun, die das Talent ihrer Selbstdarstellung dazu nutzen, andere um den Finger zu wickeln. „Wie kann dieser Text plastisch werden?“ Das war eine von Bornmüllers Ausgangsfragen, und er verspricht, in der kleinsten Spielstätte das größtmögliche Theater anzuzetteln. Denn während beispielsweise Werner Schwabs „Präsidentinnen“ im Kleinen Haus auftreten, kommen Klassiker wie Kleists „Prinz von Homburg“ und jetzt Schillers „Räuber“ in die Kammerspiele. Da sind Aufführungen schon vor der Premiere bis Jahresende so gut wie ausverkauft, zu einer Probe haben sich sechzig Deutschlehrer angesagt, und wenn die anschließend ihre Schulklassen ins Theater bringen wollen, werden die Plätze knapp.

Der Raum, der bei der Sanierung von der Tiefgarage abgetrennt wurde, hat für Bornmüller seinen eigenen Reiz. Und seine Tücken: Die Bühne hat keine richtige Mitte, Betonpfosten stehen im Weg, die Zuschauertribünen sind nicht leicht zu positionieren. Aber zur Idee des entfesselten Spiels mit Schillers Sprachmaterial passt das gar nicht schlecht. „Es gibt viele Bruchstellen in diesem Stück“, sagt der Regisseur, „es ist eine Collage, in der aus Reibung Kraft entsteht.“ Schiller hat ja viele Fäden zusammengeführt, und wenn man eine stilistische Nähe in der heutigen Popkultur suchen würde, stößt man auf Quentin Tarantino. „Drunter machen wir’s nicht“, verspricht Bornmüller. In der Mischung aus Pathos und wüst zusammengestückeltem Familienkrimi stecken Trash-Elemente, und es wäre fatal, das Brüderpaar Karl und Franz Moor auf die Rollen von Gut und Böse zu beschränken. Es ist, sagt der Regisseur, eher der Gegensatz zwischen Kopf- und Bauchmensch, „beide können klug und charmant sein.“ Die Sache soll auch Witz haben, Bornmüller will nicht ausschließen, dass man manche Elemente parodistisch auffassen könnte. Aber das wäre ein Missverständnis, beteuert er: „Wir nehmen das Stück sehr ernst.“

Rivalisierende Brüder, die um ein Erbe ringen und auch um Anerkennung, das selbstgewählte Außenseitertum auf der einen, fiese Intrigen auf der anderen Seite: Eigentlich hat das Stück ein klassisches Popkultur-Thema. Deshalb gefällt es auch David Kirchner so gut, der die Bühnenmusik macht. Der 33 Jahre alte Sohn des Komponisten Volker David Kirchner hat Jazz und klassische Musik studiert, sich dann aber eher der Popmusik verschrieben, spielt auch mal Rock ’n’ Roll, und für den Soundtrack zu den Darmstädter „Räubern“ hat er eine Klanginsel mit vielen Instrumenten bestückt, vom Klavier bis zur Blockflöte. Nebenbei spielt er auch die kleine Rolle des Kosinsky, in dem kleinen Ensemble ist Flexibilität gefragt. „Andere spielen ihre Rollen, ich spiele meine Instrumente“, sagt Kirchner, der auch Songs für die Aufführung geschrieben hat und für den energetischen Kraftakt zusätzliche Impulse liefert. Da waren schon die Proben ein Vergnügen.

Termin Premiere am Freitag (30.) um 20 Uhr in den Kammerspielen des Darmstädter Staatstheaters. Die pausenlose Vorstellung dauert rund zwei Stunden.